Digitaler Unterricht in Krisenzeiten – Und wie geht es weiter mit den Prüfungen?

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Nr. 10/2020

25. März 2020

„In dieser Zeit der Krise sehen sich unsere Lehrkräfte großen Herausforderungen gegenüber. Seit über einer Woche unterrichten sie die Kinder im Fernunterricht, erstellen Material, stellen es digital zur Verfügung über Moodle, Mebis und Co. oder einfach per Mail, besprechen mit den Schülern Inhalte in Videokonferenzen, chatten, hören sich Sorgen und Ängste an und ermuntern oder trösten“, betont Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR) und gibt eine kurze Zwischenbilanz.

Dass die geforderten flächendeckenden Schulschließungen zwingend und dringend notwendig waren, zeigten die aktuellen Fallzahlen. Mit den Kontaktverboten bzw. den Ausgangsbeschränkungen in allen Bundesländern wurde ein weiterer Schritt getan, die den Ernst der Lage deutlich macht.

„Seit dem 13. März ist erkennbar, dass alle Betroffenen an einem Strang ziehen: Schüler, Eltern und Lehrkräfte.“

Die Lehrkräfte müssten mitunter sehr kreativ und innovativ an die Herausforderung herangehen, um möglichst die Inhalte aller Fächer nach Stundenplan zu vermitteln. Nicht alle Kinder sind zu Hause mit gutem Internet oder mit geeigneten Endgeräten ausgestattet. Das erschwere die Arbeit mancherorts. „Die Infrastrukturen sind leider nicht bundesweit optimal. Hier wird man in Zukunft großen Handlungsbedarf haben und einige Bundesländer müssen unbedingt nachsteuern“, fordert Böhm.

Zum Glück sei die Realschule im informationstechnischen Bereich traditionell gut aufgestellt, sodass die Schüler hier in der Regel ohnehin geschult und vorbereitet seien.

Manche Eltern zeigten sich überfordert, weil sie meinten, sie müssten nun die Rolle des Lehrers übernehmen. „Es reicht jedoch, wenn die Eltern, wie bisher, darauf achten, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Aufgaben zu Hause erledigen. Die Fragestellungen und der Unterricht an sich kommen aber nach wie vor von den Lehrkräften“, betont der Bundesvorsitzende.

Dass einzelne Bundesländer im Hinblick auf die Abschlussprüfungen auf Qualität und Fairness völlig verzichten möchten, sieht Böhm auch mit Blick in die Zukunft sehr kritisch. „Ein Abschluss, der Qualität und Leistung verspricht, darf nicht einfach so vergeben werden. Hier helfen unüberlegte Schnellschüsse nicht weiter. Es sind derzeit intelligente Lösungen gefragt, die Entlastungen für Schüler und Lehrkräfte in dieser schwierigen Zeit beinhalten.  Zudem ist es wenig fair, wenn Schülerinnen und Schüler keine Möglichkeit mehr erhalten, sich durch Prüfungen zu verbessern. Manche müssen mit den bisherigen Durchschnittsleistungen fürchten, gar keinen Abschluss zu halten“, befürchtet Böhm.

 „Wichtig ist jetzt vor allem, die jungen Menschen weiterhin zu unterstützen, tragfähige Lösungen in allen Bundesländern anzustreben und die Jugendlichen bestmöglich auf ihren Realschulabschluss oder das Erreichen des Klassenziels vorzubereiten. Wir müssen das gemeinsam und mit Zusammenhalt auch von zu Hause aus schaffen. Denn die Gesundheit aller muss im Vordergrund stehen!“ fordert Jürgen Böhm.

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Waltraud Erndl
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