Schulschließungen jetzt sofort – flächendeckend

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Nr. 08/2020

11. März 2020

„Angesichts der Entwicklungen der Corona-Epidemie in anderen Ländern ist es nahezu unverantwortlich von den Kultusbehörden der Länder, dass in puncto Schulschließungen die Entscheidung vielfach immer noch auf regionale Verantwortliche abgeschoben wird. Diese ‚Salamitaktik‘ wird der Herausforderung, vor der wir aktuell stehen, nicht gerecht. Die umfassenden Regelungen zur Schließung staatlicher Kultureinrichtungen oder der Ausschluss von Zuschauern bei großen Sportveranstaltungen machen nur dann Sinn, wenn gleichzeitig Schulen geschlossen werden“, äußert sich Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR) besorgt.

Weitere Verunsicherungen der Schüler, Eltern und Lehrkräfte würden das Problem nur verschärfen und unnötige Panik erzeugen, ist sich Böhm sicher.

Der Bundesvorsitzende fordert die Kultusminister der Länder zur Abstimmung einer gemeinsamen Linie auf. Jetzt muss ein klarer, überschaubarer Zeitraum von mindestens einer Woche für flächendeckende Schulschließungen festgelegt werden, um dem Gesundheitssystem Handlungsspielräume zu verschaffen. Dieser Zeitraum kann nach Bedarf und in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden der Länder und Regionen wöchentlich verlängert werden.

Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht die Hauptgefährdungsgruppe darstellten, würden mit der Übertragung des Virus in Schulen Familienangehörige, ältere Menschen und Kranke extrem gefährdet. „In Schulen sind die jungen Menschen stundenlang auf engstem Raum zusammen. Bei einem milden Verlauf der Krankheit zeigen Schülerinnen und Schüler oft gar keine Krankheitssymptome, tragen das Virus aber weiter“, sagt Böhm. „Es ist auch eine Frage der Verantwortung und Solidarität, die wir jenseits aller wirtschaftlichen Bedenken als Gesellschaft übernehmen müssen.“

In Zeiten digitaler Kommunikationsmittel ist es möglich und nötig, übergangsweise Bildungsinhalte auch auf diese Weise zu vermitteln. 

Man dürfe hierbei das Verantwortungsbewusstsein, die Leistungsfähigkeit und die Kreativität der Lehrkräfte in Deutschland nicht unterschätzen. Allerdings wäre es wesentlich, dass die Ministerien und angeschlossenen Schulinstitute den Schulen erarbeitete Unterrichtsmaterialien unkompliziert und digital zur Verfügung stellen, fordert der Bundesvorsitzende weiter und wiederholt seine Forderungen nach einem Notfall-Maßnahmenpaket vom 05.03.2020.

„Jetzt zeigt es sich auch, wie fortgeschritten Digitalisierung an deutschen Schulen bereits ist und welche Lücken schnell geschlossen werden müssen“, schließt Böhm.


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Politik

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