​​​​​​​Demokratie- und Werteerziehung ist primäre Bildungsaufgabe

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Nr. 28/2018

15. November 2018

„Werteerziehung und Demokratiebildung gehören in den Unterricht einer modernen aufgeklärten Gesellschaft wie Lesen oder Rechnen!“, konstatiert Jürgen Böhm der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR).

Böhm bezweifelt, dass das negative Resümee der aktuellen Bertelsmann-Studie die Realität an den Schulen in Deutschland umfassend reflektiert.

Es fehle den Kolleginnen und Kollegen in den Schulen nicht an der Motivation zur politischen Bildung und der Auseinandersetzung mit politischen Fragestellungen. Vielmehr fehle es an entsprechenden pädagogischen Freiräumen und Ressourcen, um sich dieser entscheidenden Bildungsaufgabe umfassend widmen zu können. Es brauche kein eigenes Fach „Demokratie“, sondern man müsse die vorhandenen Potenziale über alle Fächer hinweg nutzen können, betont Böhm.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Aufgaben, wie zum Beispiel Digitalisierung oder Ganztagsbetreuung an die Schulen verlagert und die Aufgabenbereiche der Lehrkräfte immer mehr erweitert. Die Schule übernimmt zunehmend die Erziehungsaufgaben des Elternhauses, immer weitere Inhalte finden Eingang in die Schulen und das alles unter Beibehaltung der Unterrichtsverpflichtungen der Lehrerinnen und Lehrer.

Der aktuellen Bertelsmann-Studie zufolge gaben die befragten Lehrkräfte an, dass von etwas mehr als 1200 Lehrkräften bundesweit nur 1,3 Prozent Unterrichtsformate, die Demokratiebildung stützen, umfassend im Unterricht einsetzten.

Im Studium hätten sich nur 16 Prozent intensiv mit Inhalten der Demokratiebildung auseinandergesetzt.

„Das mag auf den ersten Blick zutreffen. Allerdings sollten wir uns bewusst sein, dass diese Studie ein Jahr alt ist und keinen realistischen bundesweiten Querschnitt abbildet“ erklärt Böhm. Allein die Aussagen des ‚umfassenden‘ Einsatzes an Unterrichtsformaten und der ‚intensiven‘ Auseinandersetzung mit entsprechenden Inhalten sei nicht sehr aussagekräftig und zu pauschal. Gerade die Ereignisse der letzten Monate hätten gezeigt, dass Lehrkräfte in den Schulen in dieser Sache sehr viel machen. Unterstützung müsse jetzt von Seiten der Regierungen kommen, die die differenzierte Lehrerbildung hochhalten und dem Lehrermangel intensiv entgegenwirken. „Der hohe Wert demokratischer Grundrechte und der Menschenrechte muss über alle Bildungseinrichtungen, auch die Lehrerbildung, betont werden und einen hohen Stellenwert behalten“, betont der Bundesvorsitzende.

 

Pressekontakt: Waltraud Erndl, Pressesprecherin VDR, erndl@vdr-bund.de, +49 (0)15201957242


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