Klare Grenzwerte an allen Schulen und Strategien statt Pauschalierungen

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Nr. 29/2020

30. Oktober 2020

„Deutschland geht in den Lockdown und für Schulen wird das derzeitige Infektionsgeschehen scheinbar ignoriert?“, so Jürgen Böhm, Vorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR). Während das öffentliche Leben für vier Wochen herunterfährt, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, sollen Schulen unter allen Umständen geöffnet bleiben.

„Natürlich ist das höchste Ziel den Präsenzunterricht vollumfänglich zu gewährleisten. Unsere Schulen dürfen jedoch nicht zu Aufbewahrungsstätten degradiert werden, an denen kein konzeptioneller Unterricht mehr möglich ist.“

Böhm fordert eine schnelle und deutliche Reaktion auf die jeweilige Infektionslage mit klaren Kriterien, die auch und gerade für Schulen gelten. Es bestehe ein großer Unterschied zwischen einer Inzidenz von unter 50 und über 200. Aktuell weisen 20 Gebiete in Deutschland einen Inzidenzwert von über 200 auf. „Die Grenzwerte müssen für alle gesellschaftlichen Bereiche gelten, Schulen dürfen hier nicht ausgenommen werden. Pauschalierungen und die Vermischung von Infektionsszenarien bringen uns hierbei nicht weiter. Uns muss bewusst sein, dass Schüler und Lehrkräfte zum Teil auch ohne Symptome Überträger des Virus sein können und ihn in die Haushalte tragen können“, so der Verbandschef weiter.

„Wir dürfen die Gesundheit unserer Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, bekräftigt Böhm.

„An den Schulen wird derzeit unter schwierigsten Bedingungen Bildung umgesetzt. Dabei gibt es drei definierbare Szenarien: Den vollen Präsenzunterricht, den teilweisen Präsenzunterricht, also Hybridunterricht und den Fernunterricht zu Hause. Diese drei Phasen müssen klar definiert und unterschieden werden“, erläutert Böhm. Höchstes Ziel sei selbstverständlich immer ein vollständiger Präsenzunterricht und die Beschulung der Schüler vor Ort, aber nicht um jeden Preis. „Wenn ein Präsenzunterricht jedoch nicht mehr möglich ist, dann unterrichten unsere Lehrkräfte im Fernunterricht.“

Es müssten auch weitere Risikofaktoren beachtet und minimiert werden. Böhm nennt hier unter anderem die Schülerbeförderung, bei der die Schüler auf engstem Raum miteinander in Kontakt kommen. „An den Schulen achtet man darauf, Wegesysteme und Pausenregelungen zu finden und Schülergruppen nicht zu vermischen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen sie dicht gedrängt beieinander. Das ist absurd!“, so Böhm.

„Wir dürfen mit der Gesundheit unserer Schüler und Lehrkräfte nicht unverantwortlich umgehen.“ schließt Böhm.


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Politik

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