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Totales Handyverbot an Frankreichs Schulen: Weltfremd und kontraproduktiv

Frankreichs Präsident schlägt eine falsche Richtung ein

„Zentralistisch und von oben herab Bildungspolitik zu betreiben ist absolut nicht der richtige Weg“, so Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR), zum gesetzlichen Handyverbot an Schulen, das Präsident Emmanuel Macron für alle Schulen bis auf Lycées gelten soll.

„Ein grundsätzliches Handyverbot ist absolut kontraproduktiv in der Medienbildung. Verbote führen eher zu einem Missbrauch als zu einer Einhaltung der Regeln. Dabei ist es doch gerade im Umgang mit digitalen Medien unabdingbar, dass Lehrkräfte und Pädagogen den Jugendlichen eine vernünftige Nutzung vermitteln“ bekräftigt Böhm. „Zu glauben, dass ein absolutes Verbot zum erwünschten Erfolg führt, ist mehr als fraglich. Es ist völlig unrealistisch und weltfremd die Heranwachsenden von einem Medium und Kommunikationsmittel abhalten zu wollen, das aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken ist!“

Vielmehr sei es notwendig, die jungen Menschen auf ihre Zukunft und ihr Leben in einer digitalen Welt vorzubereiten. Medienbildung müsse daher heute Bestandteil in jedem Curriculum sein. „Digitale Medien und Inhalte müssen miteinander verknüpft werden, um die Kinder und Jugendlichen umfassend und allgemein für eine schnelllebige und rasante Entwicklung zu wappnen. Medien und digitale Endgeräte zu verteufeln ist der völlig falsche Weg! Vielmehr müssen Schülerinnen und Schüler gerade im Alter bis 15 Jahre im sorgsamen und richtigen Umgang geschult werden und auf Gefahren und Risiken hingewiesen werden. Es ist wichtig, dass die jungen Menschen erkennen, dass Digitalisierung auch einen klaren Nutzen hat, dass demokratische Werte auch in einer digitalen Welt aufrechterhalten werden müssen, dass persönliche Daten geschützt und nicht missbraucht werden dürfen, dass das Leben im Netz Vorteile, aber auch schlechte Seiten haben kann! Wir brauchen eine digitale Aufklärung und keine digitale Verbotskultur!“, fordert Böhm.

Die Lehrkräfte müssten die pädagogische Freiheit haben, ihren Unterricht frei zu gestalten und dabei digitale Medien jederzeit miteinzubeziehen. Im Zeitalter von Bring your own device ist ein Smartphone oftmals das einzige Endgerät, das Schülerinnen und Schüler von zu Hause her zur Verfügung haben“, betont Böhm. Zudem sehe die neue Regelung ein Verbot von allen internetfähigen Geräten vor, zu denen auch Tablets, Laptops und Smartwatches gehören. Es gehe nicht darum, die Handynutzung völlig freizugeben. Allerdings müsse ein zukunftsnahes und modernes Unterrichten mit klaren Nutzungsregeln möglich sein.

„Ich hoffe, dass Schulen im demokratischen Abstimmungsprozess ihre Chance nutzen und die Regeln zur Handynutzung sinnvoll und zukunftsorientiert festlegen!“ äußert sich Böhm abschließend.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_1800801.pdf


Autor: Waltraud Erndl, Pressesprecherin, erndl@vdr-bund.de, +49 (0)1520 1957242