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Koalitionsverhandlungen – Keine Schnellschüsse und unüberlegte Weichenstellungen in Bildungsfragen

Böhm: Zukunft der Bildung realistisch in den Blick nehmen

„Wer meint, dass man in den Koalitionsverhandlungen von Schwarz, Gelb und Grün vorschnell bildungspolitische Pflöcke einschlagen kann, der sollte genau nachdenken. Mit einer Übertragung der föderalen Bildungshoheit auf den Bund könnte als Ergebnis am Ende eine Schwächung des Bildungsstandortes Deutschland herauskommen”, so der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm.

Gerade in den vergangenen Jahren habe sich seit den Irrungen von PISA-Tests und OECD-Vorgaben durchgesetzt, dass das vielfältige, föderale Bildungswesen in Deutschland richtige Antworten bereithält. „Die Welt beneidet uns ob unseres hoch differenzierten Bildungswesens, das gerade auf die gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen reagieren kann. Andere Länder produzieren Akademikerarbeitslosigkeit – Deutschland besitzt das Potenzial, die Fachkräfte der Zukunft auszubilden. Die extrem niedrige Arbeitslosenquote von derzeit 5,4 Prozent kommt nicht von ungefähr”, hält Böhm fest.

Die Wege der jungen Menschen in ein erfolgreiches Berufsleben müssten sich in differenzierten Bildungsgängen und Schularten widerspiegeln. Auch die Qualität der Bildung und der differenzierten Bildungsabschlüsse wäre mit einer „weichgespülten bundesdeutschen Einheitslösung“ noch weiter gefährdet, so Böhm. „Gerade hier sollten die potenziellen Koalitionäre genau hinschauen. Heterogenität und individuelle Förderung bilden sich auf keinen Fall in zentralistischen Vorgaben ab, die die Chancenvielfalt für die jungen Menschen eher beschneiden“, konstatiert der VDR-Bundesvorsitzende.

Natürlich müsse die Bildung in Deutschland ausreichend finanziert werden. Natürlich müssten Schulen saniert, Strukturen für notwendige Digitalisierungsmaßnahmen geschaffen und finanzielle Mittel auch durch den Bund getätigt werden. Doch dazu müsse man am Bildungssystem an sich nichts ändern. Die vorhandenen rechtlichen Spielräume würden hierfür ausreichen. Unterstützungs- und Finanzierungsmaßnahmen würden keine Grundgesetzänderung rechtfertigen, die eine enorme und nicht umkehrbare Schulstrukturdebatte und Verlust an Qualität zur Folge hätte.

„Wer immer nach zentralistischen Strukturveränderungen ruft, sollte sich die negativen Ergebnisse dieser Strukturmaßnahmen in einigen Bundesländern ansehen. Da sollten die Verhandlungspartner genau hinschauen, bevor man dann den hervorragenden, differenzierten und qualitativ besseren Lösungen hinterherschaut”, betont Böhm.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_171106.pdf

Autor: Pressekontakt VDR: VDR-Geschäftsstelle: 089 55 38 76