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Informatik wird im Schulunterricht stärker verankert
Zumeldung zur PRESSEMITTEILUNG des KM Nr. 153/2015

Wahlgeschenk für die Realschule oder weitere Mogelpackung?

Rechtzeitig zum Jahr der Landtagswahl erhöht die Landesregierung den Sachkostenbeitrag für Realschulen um 15% und entlastet dadurch die per Schulgesetzänderung im Top down Verfahren aufgezwungene Unterrichtsorganisation wenigstens ein Stück weit. Wertschätzung der Realschule kommt dadurch zum Ausdruck, „unsere Forderung nach Gleichbehandlung aller Schularten rückt so ein Stück näher. Der Einsatz für unsere Schulart hat sich gelohnt, dem Minister gebührt Dank und Anerkennung für diese Geste des Entgegenkommens angesichts der klammen Finanzlage im Land“, so die Landesvorsitzende Dethleffs-Niess.

„Was auf den ersten Blick zunächst positiv stimmt -landauf, landab betont Minister Stoch öffentlichkeitswirksam Bedeutung und Unverzichtbarkeit der Realschule- bekommt jedoch schnell einen schalen Nachgeschmack durch eine weitere Ankündigung in der letzten Woche vor der Weihnachtspause, die künftige Verankerung von Informatik im Schulunterricht betreffend“, so Dethleffs-Niess weiter.

Medienbildung und Informatik sind heute Basics für Ausbildung und Beruf und deshalb ein „Muss“ für die vorgeschaltete Schulbildung. Medien/IT Unterricht in der Realschule bildet die Grundlage u.a. für den Wechsel ins duale System, hinsichtlich der Ausbildungsberufe werden gerade im Bereich Medien und IT zunehmend gut ausgebildete Realschüler gesucht. Darüber hinaus entscheiden an die 70% Realschulabgänger sich für eine Fortsetzung ihres Bildungswegs über ein berufliches Gymnasium. Neben dem Technischen Gymnasium (TG) hat sich das technische Gymnasium mit dem Profil Informationstechnik (ITG) längst etabliert.

Dies kann die Landesregierung nicht einfach ignorieren, darauf brauchen wir an den Realschulen eine Antwort auch im IT Bereich. Es darf hier keinerlei Benachteiligung für die Schülerinnen und Schüler der unterschiedlichen Schulen geben, alles andere wäre „Selektion“.
Genau das aber zementiert die Neuregelung zum kommenden Bildungsplan: Wieder wird die qualitativ umstrittene Gemeinschaftsschule bevorzugt und die Realschule benachteiligt. Während an Gemeinschaftsschulen in Klassenstufe 8-10 ein neues Profilfach „Informatik Mathematik, Physik" (IMP) eingerichtet wird, hat man für Realschulen ein Wahlfach „Informatik“ vorgesehen, welches Interessierte freiwillig belegen können. Während an der GMS mathematische Grundlagen und physikalische Zusammenhänge vermittelt werden, soll es an der Realschule vor allem um „alltagsrelevante Themen mit Informatikbezug“ gehen. Was auch immer „alltagsrelevant“ und „mit Informatikbezug“ beinhaltet, bleibt im Gegensatz zur Beschreibung für die Gemeinschaftsschule ohne Definition und nährt daher den Verdacht der Beliebig- und Belanglosigkeit.

Erneut legt man somit Hand an die konkurrenzlos - praxisorientierte Qualität der Realschulbildung. Ein herber Schlag, eine bittere Erkenntnis für die Realschulen! Gerade im IT Bereich sind es die Realschulen, welche Pionierarbeit geleistet haben! Was jetzt in der Politik angekommen ist als Forderung und auf Druck der Wirtschaft angesichts fortschreitender Digitalisierung darf deshalb den Realschulen nicht vorenthalten werden.

Wir brauchen eine konsequente Weiterentwicklung des IT Angebots unter qualitativen Aspekten, schon deshalb verbietet sich jeglicher Freiwilligkeitscharakter in den entscheidenden Klassenstufen 8-10.
Eines solches Angebots ist nicht zielführend angesichts der Wirtschaftslage in Baden-Württemberg mit seinem eklatanten Facharbeitermangel!
Was Sinn macht ist ein weiteres, viertes Wahlpflichtfach „Medien/IT“ an der Realschule mit einem Angebot, das sowohl auf die duale Berufsausbildung zielt, als auch den Übergang in ein Berufliches Gymnasium mit IT Profil entsprechend vorbereitet.

Realschulbildung ist unverzichtbar für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, das hat auch die Landesregierung inzwischen akzeptieren müssen. Realschulbildung ist eine Grundlage, sozusagen die Unterstufe der beruflichen Gymnasien und darf von der Politik nicht weiter benachteiligt werden.
Der Realschullehrerverband fordert deshalb erneut Gleichbehandlung aller Schularten auch bei der Profilbildung und IT Unterricht als Wahlpflichtfach ebenso wie an der Gemeinschaftsschule an der Realschule!

Facharbeiter erwachsen bislang überwiegend aus der Realschule in Kombination mit den beruflichen Gymnasien. Dieser Bildungsweg ist konkurrenzlos, was die Nähe zur Arbeits- und Berufswelt angeht. Er ist auch konkurrenzlos, was den modernen Anforderungen nach individueller Gestaltung der Bildungswege entspricht. Umsteigen und Aufsteigen innerhalb von Bildungssystemen sind insbesondere in Anbetracht aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen unverzichtbar und ein Persönlichkeitsrecht in einer modernen Gesellschaft.
Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, alles daransetzen, damit dies so bleibt!

Wir erteilen jeglicher Form der Benachteiligung der Realschule eine Absage und fordern dagegen mit Nachdruck eine absolute Gleichbehandlung der Schularten!

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_160118.pdf

Autor: Realschullehrer-Verband Baden-Württemberg