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VDR fordert Stärkung der Werteerziehung in den Schulen

Um politischem und religiösem Extremismus entgegenzuwirken, soll die Vermittlung von demokratischen Normen mehr in den Fokus rücken

Das Jahr 2016 verlangt besonders in der Bildungspolitik klare Aussagen zu den Werten und Normen in unserem Land. Angesichts der großen Herausforderungen im Bereich der Flüchtlingsintegration müsse der Bereich der Werteerziehung an den Schulen in Deutschland einen entsprechend hohen Stellenwert erhalten, fordert der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm.

Ein neues Schulfach „Werteerziehung“, wie es derzeit diskutiert wird, sei dafür gar nicht nötig, erklärt der Verbandschef. Es gehe darum, die bestehenden Strukturen effektiv zu nutzen, um die Jugendlichen mit dem entsprechenden Wissen sowie mit Fähigkeiten auszustatten, damit sie selbstbewusst und von Werten geleitet ihren eigenen Weg in der Gesellschaft gehen können: „Charakterlich gestärkte Jugendliche sind weniger anfällig für politischen oder religiösen Extremismus. Dazu muss die Bildungspolitik in Deutschland endgültig die kontraproduktiven Schulstrukturreformen stoppen und anerkennen, dass vor allem ein vielfältiges, differenziertes Bildungswesen mit verschiedenen Wegen selbstbewusste junge Menschen hervorbringt und ihnen zum persönlichen Lebensglück verhilft“, sagt Böhm.

Differenziertes Bildungswesen bringt selbstbewusste Jugendliche hervor

Über Jahrzehnte wurde einer einseitigen Akademisierung das Wort geredet und die gesellschaftlich anerkannte und dringend benötigte berufliche Bildung vernachlässigt. Der Druck in Richtung Akademisierung führte bei vielen Jugendlichen zu Frustrationen, Versagensängsten und zur gesellschaftlichen Missachtung beruflicher Ausbildungswege. Das Abitur für alle sei eine sozialromantische Wunschvorstellung, die mit einem enormen Qualitätsverlust einhergehe, erklärt der VDR-Vorsitzende.

Zentraler Bestandteil einer demokratischen Kultur in Deutschland müsse endlich eine Anerkennungskultur werden, die akademische und berufliche Bildung gleich wertschätzt und Erfolge der beruflichen Ausbildung entsprechend anerkennt, so Böhm. Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Leistung seien der Schlüssel zu Selbstbewusstsein und Zufriedenheit der Jugendlichen: „Es ist dabei völlig egal, ob es sich um Jugendliche mit Migrationshintergrund handelt oder um Jugendliche mit deutschen Eltern. Dieses Selbstbewusstsein, verbunden mit einem klaren demokratischen Wertekanon, muss die Basis für unsere Gesellschaft bilden. Dabei dürfen das Geschlecht, die Religion oder die individuelle Einstellung des Einzelnen keine Rolle spielen.“

„Wer unsere freiheitliche Gesellschaft bewahren und weiterentwickeln möchte, darf angesichts der aktuellen Situation in unserem Land keine Abstriche bei demokratischen Werten, Normen und Verhaltensweisen akzeptieren. Der einzelne Mensch mit seiner unantastbaren individuellen Würde ist das höchste Gut unseres Gemeinwesens“, unterstreicht Böhm seine Forderungen.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_160107.pdf

Autor: Karolina Mahrla