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Flüchtlinge: Zeit der „Hau-Ruck“-Aktionen und Sonntagsreden ist zu Ende

Verband Deutscher Realschullehrer fordert langfristiges Integrationskonzept für jugendliche Migranten – Lehrkräfte können Herausforderung nicht alleine schultern

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_150914.pdf



Ein zwischen Bund, Ländern und Kommunen abgestimmtes langfristiges Integrationskonzept für alle schulpflichtigen asylsuchenden Kinder und Jugendlichen forderten der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR) und die Mitglieder seines Wissenschaftlichen Beirats auf ihrer jährlichen Tagung in Prichsenstadt. „Die Zeit von ‚Hau-Ruck-Aktionen‘ und dem bloßen Einfordern einer ‚Willkommenskultur’ ist definitiv vorbei“, stellte VDR-Bundesvorsitzender Jürgen Böhm klar.

„VDR und Beirat erkennen an, dass die zusätzliche Einstellung von bundesweit über 3000 Lehrkräften für das Fach Deutsch zu Beginn des Schuljahres 2015/16 ein Schritt in die richtige Richtung ist“, so Böhm weiter. Dabei könne es jedoch nicht bleiben, zumal die Finanzierung vielfach nur durch Mittelumschichtungen möglich werde.

Demografische Prognosen lösen sich in Luft auf

„Die Mammutaufgabe der Integration von Hunderttausenden Kindern und Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft kann nicht allein auf die Lehrerschaft übertragen werden. Seit Jahren warten die Kollegen auf eine spürbare Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, die man ihnen aufgrund der erwarteten sinkenden Schülerzahl in Aussicht gestellt hatte. Doch alle demografischen Prognosen lösen sich bundesweit gerade in Luft auf“, so Böhm.

Von der Kultusministerkonferenz, den Kultusverwaltungen der Länder und den Kommunen als Sachleistungsträger erwarten VDR-Vorstand und Beirat ein auf Langfristigkeit angelegtes Konzept, das Lösungen für die folgenden Aufgaben vorsieht:

- Frühestmögliche Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Unterrichtsangeboten zum Erwerb von Deutschkenntnissen für schulpflichtige Kinder und Jugendliche, aber auch für erwachsene Migranten

- Vermittlung von sozialen, kulturellen und politischen Grundlagen des europäischen und deutschen Gemeinwesens, um den jungen Menschen die Eingewöhnung und Eingliederung in ihr neues soziales Umfeld bzw. die Arbeitsaufnahme zu erleichtern

- Verbleib der oft traumatisierten jugendlichen und erwachsenen Migranten in Förderklassen und -gruppen bis zur ausreichenden Beherrschung der deutschen Sprache, um danach eine entsprechende Förderung in leistungsspezifischen Bildungsangeboten und in den entsprechenden Schularten zu ermöglichen

- Sofortiger Ausbau eines Fort- und Weiterbildungssystems für Lehrkräfte

- Flankierende Maßnahmen, die den Integrationsprozess unterstützen können: Dazu gehören die Einstellung von Schulpsychologen und Schulsozialarbeitern, aber auch Kontakte ins soziale bzw. gesellschaftliche Umfeld

„Was heute in der Bildung und Integration versäumt wird“, appellierte Böhm an die politisch Verantwortlichen, „wird uns in wenigen Wochen schon dramatisch auf die Füße fallen!“ Unterlassenes verteuere sich zukünftig um ein Mehrfaches. Das Billige werde das Teure, warnte Böhm mit Nachdruck.

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher