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Schulabschlüsse dürfen ihren Wert nicht verlieren

VDR-Vorsitzender Böhm befürchtet Nachteile für Absolventen und Wirtschaft durch „Fehlqualifikationen“

„Mit einer verantwortungslosen Bildungspolitik und der Orientierung an falschen OECD-Empfehlungen wurden unsere Jugendlichen in immer höhere Ausbildungsgänge befördert. Das schwächt die deutsche Wirtschaft, aber besonders schadet es den jungen Menschen selbst.“ Auf der Vorstandssitzung des Deutschen Realschullehrerverbandes am Wochenende in Berlin, griff Vorsitzender Jürgen Böhm die aktuelle Diskussion um die inflationäre Zunahme von „Einser“-Abschlussschnitten der vergangenen Jahre auf.

Böhm beklagte die aktuelle Situation als irreführend: Eltern und Ausbildungseinrichtungen verknüpften mit den erworbenen Zeugnissen und Abschlüssen Erwartungen, die im Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten stünden. Den jungen Leuten selbst gaukelten Traumnoten vor, jeder beruflichen und fachlichen Herausforderung gewachsen zu sein.

Dagegen beobachte man, wie Böhm darlegte, an den Hochschulen eine ganz andere Entwicklung: Viele Studierende sind den dortigen Anforderungen nicht gewachsen und verlassen die Uni ohne Bachelor-Abschluss. Bei Mathematikern und Naturwissenschaftlern sind es beispielsweise 39 Prozent. Und selbst ein abgeschlossenes Studium lässt keine Erwartungen in den Himmel wachsen: „Das durchschnittliche Brutto-Einkommen eines Bachelor-Juristen liegt bei rund 35.000 Euro. Das verdienen auch Facharbeiter der Kfz-Industrie und im Handwerk, wenn nicht sogar viel mehr“, so der VDR-Vorsitzende.

In den kommenden 10 Jahren müssen viele Hochschulabsolventen aufgrund der zu erwartenden Akademikerschwemme damit rechnen, weit unter den Erwartungen entlohnt zu werden. Auf der anderen Seite fehlen die qualifizierten Fachkräfte der dualen Ausbildung.

Mit seiner Warnung verband Böhm den Hinweis auf das inhaltlich und strukturell breit gefächerte Angebot der Schulen in der Sekundarstufe I. und vor allem auf die Chancen, die sich mit dem Realschulabschluss ergeben. In allen Bundesländern gelte grundsätzlich das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Wer sich als geeignet und motiviert erweise, könne bis zu akademischen Graden hin alle Stufen einer beruflichen Entwicklung erreichen. „Wir müssen viel stärker darauf setzen, die Karrieren der Jugendlichen schrittweise aufzubauen und Aufsteigerbiographien ermöglichen, anstatt reihenweise Abschlüsse zu vergeben, hinter denen kein Wert mehr steht.“

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_150615.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher