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OECD-Ratschläge führen zu Fehlqualifikationen und Fachkräftemangel in Deutschland
VDR-Presseerklärung zur gemeinsamen Tagung des VDR und des wissenschaftlichen Beirats vom 15. September 2014

Wissenschaftler und VDR-Bundesvorstand sehen sich durch Klagen aus der Wirtschaft bestätigt und fordern die Stärkung der Beruflichen Bildung

Auf der gemeinsamen Jahrestagung des VDR-Vorstandes und des wissenschaftlichen Beirats seiner Zeitschrift „Reale Bildung / Realschule in Deutschland“ in Bingen (Rheinland-Pfalz) beschäftigten sich am vergangenen Wochenende beide Gremien mit der permanent vorgetragenen Forderung der OECD, die Abiturientenquote in Deutschland weiter zu steigern. In seiner Kritik sehe sich der Verband, so sein Vorsitzender Jürgen Böhm, durch die immer lauter werdenden Klagen aus der Wirtschaft über die stetig sinkende Nachfrage von Schulabsolventen nach beruflichen Ausbildungsgängen bestätigt. Im akademischen Bereich führe diese Entwicklung zunehmend zu Qualitätseinbußen und Fehlqualifikationen.

Vorschläge und Programme wie von Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka, Abiturienten für Ausbildungsberufe zu interessieren, lösten das Problem mit den falschen Mitteln an der falschen Stelle. Insbesondere verhinderten sie nicht die hohen Abbruchquoten gerade in naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Studiengängen oder drohende Arbeitslosigkeit selbst bei erfolgreichen Studienabschlüssen.

„Auch der internationale Vergleich von Bildungssystemen bestätigt unsere Warnung vor einer zunehmend von Arbeitslosigkeit bedrohten Akademikerschaft“, stellte Böhm fest. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Abiturquote, Studienquote und wirtschaftlicher Prosperität. Hoch akademisierte Länder wie zum Beispiel Italien und Spanien finden sich aktuell in der unteren Hälfte der Rangliste zur Beschäftigungsquote wieder. Böhm warnte davor, die angesichts der geschilderten Entwicklung immer lauter geäußerte Kritik aus der Wirtschaft und dem Handwerk zu ignorieren. Die mittleren Bildungsabschlüsse der Sekundarstufe I, wie der Realschulabschluss, in Verbindung mit einer erfolgreich abgeschlossenen dualen Berufsausbildung stellten gerade heute eine nachhaltige Sicherung für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg dar, zumal sie durch eine Vielzahl heute existierender Übergangs- und Anschlussmöglichkeiten Studierwilligen jederzeit eine spätere akademische Karriere erlauben. Kein Talent dürfe in Deutschland durch eine einseitige akademische Orientierung unerkannt auf der Strecke bleiben. Alle Bildungswege in unserem Land bedürfen der gleichen hohe Anerkennung und Unterstützung.

„Viele Länder in der Welt beneiden uns heute noch um unser hochdifferenziertes, erfolgreiches duales Ausbildungssystem und die Qualität der Berufsausbildung. Wir müssen alles unternehmen, damit die Qualität in der Bildung die höchste Aufmerksamkeit erfährt und nicht die Quote formaler Abschlüsse“, so Böhm zum Abschluss der Tagung.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_140915.pdf

Autor: Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher