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Böhm: "Die OECD ist notorisch lernunwillig ..."

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit ignoriert beharrlich die Qualität und Chancen mittlerer Bildungsabschlüsse, die Bedeutung der beruflichen Bildung und die Erfolge des dualen Systems in Deutschland

Mit Unverständnis, so Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), reagierten die Lehrkräfte, Eltern und Schüler auf den jüngsten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) „Education at a Glance 2012“. Ein weiteres Mal werte dieser die Qualität eines Bildungssystems nahezu ausschließlich an der Messlatte der Abiturienten- und Hochschulabsolventenquote. Die europäische Behörde war mit der Meldung an die Öffentlichkeit getreten, dass nur 20 Prozent aller 25- bis 34-Jährigen in Deutschland höher gebildet seien als ihre Eltern. Der OECD-Durchschnitt läge dagegen bei 34 Prozent.

In seiner Stellungnahme verwies Böhm auf die vielfältigen Karrierewege, die sich Schülerinnen und Schülern in der Bundesrepublik Deutschland mit erfolgreichem Abschluss am Ende der Sekundarstufe I öffneten: „Ein Teil unserer jungen Leute mit einem erfolgreichen Bildungsabschluss, wie zum Beispiel dem Realschulabschluss oder einem anderen Sekundarstufenabschluss beginnt eine anspruchsvolle berufliche Ausbildung, die über einen Gesellen- und Meisterbrief bis zum Studium führen kann. Ein anderer Teil ergreift die Möglichkeit, über die beruflichen, aber auch die allgemeinbildenden Gymnasien eine Hochschulausbildung zu beginnen.“

Es sei, argumentierte Böhm, eine der großen bildungspolitischen Errungenschaften innerhalb der Bundesrepublik Deutschland, dass allgemeine und berufliche Bildung als gleichwertig betrachtet werden und auf beiden Seiten den Jugendlichen alle Wege in vielfältigste Karrieren ermöglichten. Dies und die mannigfachen Übergangsmöglichkeiten in der föderalen deutschen Bildungslandschaftignoriere die OECD in nicht nachvollziehbarer Weise seit Jahren.

Die vorliegenden Zahlen unterstrichen nach Böhms Auffassung die Richtigkeit und Nachhaltigkeit der Entwicklung in Deutschland: „Abgesehen von der erfreulichen Tatsache, dass sich der Anteil derer, die nach Abschluss der Schule und/oder einer Berufsausbildung ein Studium aufnehmen, ohnehin von 37 auf über 50 Prozent erhöht habe, liegt die Bundesrepublik bei den Zahlen von jugendlichen Arbeitslosen auf einem unvergleichlich niedrigen Wert von durchschnittlich acht Prozent, in vielen Bundesländern weit darunter.“ Staaten mit extrem hohen Abiturientenquoten wie Spanien oder Frankreich hätten dagegen mit jugendlicher Erwerbslosigkeit von bis zu über 50 Prozent und Perspektivlosigkeit innerhalb der jungen Generation zu kämpfen.

„Die OECD-Studien haben sich zu einem nur noch schwer zu ertragenden Ärgernis entwickelt“, schloss Böhm seine Einschätzung ab. Es sei allerhöchste Zeit, darüber nachzudenken, ob die Bundesregierung für solch zweifelhafte Analysen weiterhin Mittel zur Verfügung stellen wolle oder sich nicht besser aus dem Projekt zurückzöge.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM_120913.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher