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"Gerechtigkeit beginnt nicht erst mit dem Abitur"

"Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung bedient erneut überholte Betrachtungsweisen auf Bildung und vernachlässigt (bewusst?) die Vielfalt von Abschlüssen, Übergängen und Bildungsanschlüssen

"Es ist kaum erträglich, dass fast gebetsmühlenartig das Schulsystem in Deutschland und damit die Arbeit der Pädagogen beschädigt und schlechtgeredet werden. Scheinbar verkaufen sich in den Medien negative Nachrichten besser als hart erarbeitete Erfolgsmeldungen aus den Schulen", kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR), Jürgen Böhm, die ersten Berichte zum "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung.

Wie üblich wurden die Betrachtungsweisen des "Chancenspiegels" erneut einseitig auf die Schulform Gymnasium ausgerichtet und die Realschule mit den sich anschließenden Wegen über die berufliche Bildung erst gar nicht erwähnt. "Der verengte Blick auf Gymnasial- und Abiturquoten sagt gar nichts aus. Entscheidend und gerechtigkeitsrelevant ist doch der erfolgreiche Übergang der Jugendlichen ins Berufsleben. Angesichts von Abiturquoten bis zu 80 Prozent in Frankreich und einer gleichzeitigen Jugendarbeitslosigkeitsrate von über 30 Prozent fragt man sich schon, ob dies gerechter ist", so Böhm.

Zwischen 95 und 98 Prozent aller Jugendlichen schafften zum Beispiel in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern den Übergang ins Berufsleben und sehr viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und aus Familien mit schwierigen sozialen Verhältnissen erreichten auch ohne das Gymnasium, z. B. über den Realschulabschluss, problemlos den Sprung an die Hochschulen oder in eine anspruchsvolle Berufsausbildung. Ein Blick auf die vorgelegten Statistiken zeige auch, dass in Bundesländern mit einem klar leistungsdifferenzierten Schulwesen eine deutlich höhere Bildungsqualität erreicht werde.

"Manchem ‚Bildungsexperten‘ sollte man auch die jeweiligen historischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den einzelnen Bundesländern genauer erläutern, bevor dieser Aussagen über Klassenstärken, Kinder mit Migrationshintergrund und Schüler-Lehrer-Relation tätig", rät Böhm.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-120312.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher