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Böhm: „Bunte Fähnchen reichen nicht...“

Während der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes mahnte VDR-Bundsvorsitzender Böhm Bildungs- und Finanzpolitiker, den „schönen Worten“ auch Taten folgen zu lassen

Zum Abschluss der Jahrestagung 2012 des Deutschen Beamtenbundes vom 8. bis 10. Januar in Köln, die unter dem Thema „Demographischer Wandel – was ist zu tun?“ stand, zeigte sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, mit den Tagungsergebnissen insgesamt zufrieden. Es sei anzuerkennen, dass sich in der Politik nach den Privatisierungsexzessen und Entbeamtungswellen der 90er-Jahre die Einsicht durchgesetzt habe, im öffentlichen Dienst, zu dem selbstverständlich auch die Lehrerschaft gehöre, eine zuverlässige Stütze des Staates zu haben. Stellvertretend für viele Referenten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zitierte Böhm den nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der in seinem Beitrag festgestellt hatte: „Bildung bleibt unser Auftrag Nummer eins! …Kinder mit besseren Qualifikationen legen den Grundstock für steigende Wirtschaftskraft und höheren Wohlstand“.

„Bei schönen Worten und bunten Fähnchen darf es jedoch nicht bleiben“, forderte Böhm. „Gute Bildung bedarf neben Professionalität und Engagement, welche die Lehrerschaft in hohem Maße einbringt, auch einer angemessenen materiellen Ausstattung durch den Staat!“ Es sei skandalös, dass die Politik z.B. ein „Fachkräftegewinnungsgesetz“ verabschiede, Anwärterbezüge für junge Lehrkräfte in der Ausbildung jedoch auf einem Niveau belasse, das am Lehrerberuf Interessierte eher abschrecke als gewinne. Ähnlich verhalte es sich mit Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- oder Urlaubsgeld, das einzelne Länder wie zum Beispiel Niedersachsen ihren verbeamteten Lehrkräften weiterhin vorenthielten. Schon jetzt fehlten in Deutschland selbst bei schrumpfenden Schülerzahlen 20.000 Lehrerinnen und Lehrer. Niemand möge glauben, dass sich dieses Missverhältnis von allein auflösen werde, wenn die Bundesländer in ihrer Verantwortung für das Bildungswesen nicht gleichzeitig für attraktive Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung sorgten.

Unverständnis äußerte Böhm in diesem Zusammenhang am zunehmenden Auseinanderdriften der Schulstrukturen in den Bundesländern. Hier liege der Verdacht nahe, dass Zusammenlegungen von Schulformen und die Einführung flach gegliederter Systeme von einigen Landespolitikern vor allem unter Einsparungsaspekten vorangetrieben würden. Böhm verwies auf die nachgewiesenen Erfolge der Realschulen in allen internationalen und nationalen Vergleichsstudien. „Realschulbildungsgänge und Realschulabschlüsse sind eine klassische und bewährte Grundlage für weitere schulische Karrieren, berufliche Ausbildungserfolge und Integration, auf die in keinem Bundesland verzichtet werden kann. Der demographische Wandel kann nur mit hervorragend ausgebildeten Menschen bewältigt werden – wer an der Qualität der Bildung spart, wird an dieser großen gesellschaftlichen Herausforderungen scheitern“, schlussfolgerte Böhm.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-120111.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher