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Inklusion erfordert Professionalität und massive personelle und sachliche Absicherung an den allgemeinen Schulen

Die gemeinsame Beschulung behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher, wie ihn die UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 versteht, beinhaltet einen gesellschaftspolitischen Auftrag, den man in der Schule nicht mal eben mit der „linken Hand“ umsetzen könne, fasste der Vorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, die Beratungsergebnisse der Herbst-Vorstandstagung am 25. und 26. November in Berlin zusammen. Wer glaube, die professionell und erfolgreich arbeitenden Förderschulen auf breiter Front abschaffen und ihre Aufgaben durch ein paar Fortbildungsangebote auf die Kollegien der übrigen Schulformen übertragen zu können, versündige sich an der schwächsten Gruppe von Schülern und Schülerinnen sowie ihren Erziehungsberechtigten und betreibe „Einsparungs“-Sonderpädagogik auf unterstem Niveau.

Auf seiner Berliner Herbsttagung hatte sich der Bundesvorstand des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) intensiv mit Fragen der Umsetzbarkeit einer gemeinsamen Beschulung behinderter und nichtbehinderter Schüler und Schülerinnen beschäftigt. Dabei war er durch erste Erfahrungsberichte aus den Bundesländern in seinem Misstrauen bestätigt worden, dass es zumindest in einigen der vorliegenden Konzepte und Strategien weniger um eine breit abgesicherte Teilnahme aller, also auch behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben gehen könnte, als vielmehr um die Abschaffung einer Schulform, von der man glaube, sie im Zuge von Einsparungsmaßnahmen widerstandslos zur Disposition stellen zu können.

„Lehrkräfte der Sonderpädagogik durchlaufen in den Bundesländern ein eigenständiges, mehrjähriges Studium. Ihre Ausbildung ist hochspezialisiert und entspricht den unterschiedlichsten Erfordernissen der Behindertenpädagogik“, stellte Böhm in Berlin fest. „Wissen, Können und Erfahrung dieser Kolleginnen und Kollegen sind entscheidende Faktoren beruflicher Professionalität. Die damit verbundenen Kompetenzen sind selbst im Rahmen einer ausgefalteten Weiterbildung kaum zu erreichen, keinesfalls aber mit einigen wenigen Wochenkursen zu erwerben!“ Böhm forderte Landesparlamente und Schulbehörden auf, bei der Realisierung der Inklusion solchen Erfordernissen Rechnung zu tragen. Die Delegierung inklusiver Aufgaben an die allgemeinen Schulen erfordere eine massive Aufstockung und Ausweitung von Förder- und Fortbildungsmaßnahmen. Hinzu komme die Notwendigkeit, die personelle und sachliche Ausstattung an diesen Schulen massiv auszuweiten. Ferner sei zu bedenken, dass es bei allem Verständnis für den Wunsch nach einer gemeinsamen Erziehung und nach gemeinsamem Unterricht in letzter Konsequenz immer Kinder geben werde, deren Behinderungen und erhöhter Förderbedarf keine Alternative zur Betreuung in einer speziell auf sie ausgerichteten Einrichtung zulasse. Eine Abschaffung von Förderschulen sei weder wünschenswert noch möglich, schlussfolgerte Böhm. Er betonte abschließend: „Förderschulen sind im Interesse der betroffenen Kinder und Jugendlichen unverzichtbar!“

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-111128.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher