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Böhm: „OECD-Bildungsstudie 2011 wieder in Teilen unseriös“

VDR-Bundesvorsitzender kritisiert Instrumentalisierung einzelner Erhebungsergebnisse und fordert Anerkennung der beruflichen Bildung

„Es ist ein Verstoß gegen jede fachwissenschaftliche Seriosität, mit welcher notorischen Missachtung die Bildungsverantwortlichen bei der OECD die Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsländern bei der Klassifizierung und Würdigung akademischer Berufe ignorieren“, klagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, angesichts der jüngsten Neuauflage der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“, die die Organisation Anfang letzter Woche der Öffentlichkeit vorstellte.

Seit mehreren Jahren machten sowohl der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) wie auch andere dem Deutschen Lehrerverband (DL) angeschlossene Fachverbände die OECD darauf aufmerksam, dass Ausbildungsgänge international unterschiedlich organisiert sind. Während z.B. Krankenschwestern und Pfleger in Großbritannien und skandinavischen Ländern zu den akademischen Berufen gezählt würden, leiste derselbe Berufsstand in der Bundesrepublik Deutschland eine hervorragende Arbeit, die über eine anspruchsvolle Berufsausbildung erreicht wird. Von der OECD werde der Bereich der beruflichen Bildung mit den vielfältigen Übergängen und Anschlussmöglichkeiten, wie zum Beispiel über die Realschulbildung hin zu anspruchsvollen, zukunftsorientierten Berufsfeldern, nach wie vor einfach ignoriert. Der daraus auch 2011 gezogene Schluss, Deutschland verfüge über zu wenig Akademiker, sei daher zumindest in Teilen irreführend und setze die OECD als Wiederholungstäterin dem Verdacht der Instrumentalisierung aus. „Quoten sagen nichts über Qualität der Ausbildung aus und eine einseitige Überbetonung der Akademisierung missachte die Leistungen der in Deutschland hochqualifizierten und anerkannten Fachkräfte in Industrie, Handwerk und dem Dienstleistungssektor“, betonte der VDR-Bundesvorsitzende.

Richtig sei dagegen, so Böhm, dass das deutsche Bildungswesen unterfinanziert sei. Die größten und womöglich nachhaltigsten Mängel zeigten sich in der Phase, die für die weitere schulische Karriere - insbesondere von Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernem Milieu – von allergrößter Wichtigkeit sei, nämlich in der frühkindlichen Bildung und in der Primarstufe. Es sei niemandem plausibel zu machen, warum Länderparlamente und Kultusbürokratien in der wichtigen Phase der Grundschule sparten. Hier sei es an der Zeit, Fehlentwicklungen zu korrigieren und alle Bildungsstufen angemessen zu finanzieren. Böhm appellierte an die Parteien und Bildungspolitiker, die zurückgehenden Schülerzahlen endlich zum Anlass zu nehmen, längst fällige Verbesserungen im Bereich der Unterrichtsqualität, die Unterstützung besonders begabter Schüler und verbindliche Fördermaßnahmen zum frühkindlichen Spracherwerb materiell angemessen abzusichern. „Wir müssen in die Qualität von Unterricht investieren und die Finger von teuren, nichts bringenden Schulstrukturveränderungen lassen“, betonte der Bundesvorsitzende am Rande einer Tagung des Bundesverbandes in Erfurt.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-110917.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher