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„Wer die Mitte aufgibt, wird keine Mehrheiten gewinnen …“

VDR-Bundesvorsitzender Böhm warnt CDU-Bildungspolitiker vor der leichtfertigen Aufgabe der erfolgreichen Realschule

„Es ist sehr kurz gedacht, dass mit der Schaffung einer sogenannten ´Oberschule´ alle bildungspolitischen Herausforderungen der Gegenwart gelöst werden. Die Aufgabe des differenzierten Schulwesens wird vor allem mit der Abschaffung der anerkannten Realschulen eine Fluchtbewegung an das Gymnasium auslösen und eine weitere qualitative Aufweichung bedeuten, die den Weg in ein Gemeinschafts- und Einheitsschulsystem ebnet.“ Diese Aussagen traf der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR), Jürgen Böhm, nach Veröffentlichung der Äußerungen der Bundesbildungsministerin Annette Schavan zur geplanten Abkehr der CDU vom differenzierten Schulwesen.

Die Qualität der Bildung scheint nach Ansicht des Realschulvertreters bei den Überlegungen der CDU-Bildungskommission keine Rolle gespielt zu haben. Vorgeschobene demographische Entwicklungen und der einseitige Blick auf soziale Brennpunkte bestimmten dagegen das Handeln. Wenn Realschulbildung erhalten werden solle, dann könne das nur in einer Realschule mit Realschullehrern passieren. Mit der Bezeichnung „Oberschüler“ sei dem Hauptschüler, der ein besonderes pädagogisches Konzept und individuelle Förderung benötigt, auch nicht geholfen. Die gebetsmühlenartig wiederholte Heilsvorstellung vom sogenannten „längeren gemeinsamen Lernen“ helfe dem überforderten oder unterforderten Heranwachsenden überhaupt nichts.

Viel wichtiger wäre die Forderung nach einer qualitativen Weiterentwicklung der erfolgreichen Schulart Realschule und der anerkannten Realschulbildung, anstatt wie ein Fähnchen im Wind der veröffentlichten Meinung selbsternannter „Bildungsexperten“ hinterher zu flattern. Die individuelle Förderung der Heranwachsenden, die Schaffung von Übergängen zwischen den Bildungsgängen sowie die Stärkung eines wirklichen alternativen Bildungsganges bis zur Hochschule neben dem Gymnasium seien nur mit der Realschulbildung realistisch. Das wäre ein zukunftsweisendes Bildungskonzept einer Volkspartei der Mitte, das dieses Land die Herausforderungen bestehen ließe, betonte der Bundesvorsitzende. Die Abkehr vom Leistungsgedanken und die Aufweichung der Qualität seien international nicht konkurrenzfähig.

„Man verschenkt so nachgewiesene Bildungspotentiale, die dieses Land dringend braucht und verunsichert darüber hinaus Schülerinnen, Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Das muss Frau Schavan den 1,3 Millionen Realschülerinnen und Realschülern und über 2,5 Millionen Realschuleltern in Deutschland noch einmal genau erklären“, so Böhm.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-110611.pdf

Autor: Karlheinz Kaden, Pressesprecher