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„Ignorant gegenüber der Wissenschaft, die Eltern bevormundend und föderal inkompatibel ...“

VDR-Bundesvorsitzender Jürgen Böhm und Landesvorsitzende Inge Röckelein kritisieren die Pläne der Landesregierung zur Neuausrichtung der saarländischen Bildungslandschaft


In einer gemeinsamen Stellungnahme haben der VDR-Bundesvorsitzende Böhm und die saarländische VDR-Landesvorsitzende Röckelein wesentliche Passagen des erstmals am 8. Juli d.J. vorgestellten Regierungsvorhabens zur Neuausrichtung der saarländischen Bildungslandschaft als die Eltern bevormundend, die wissenschaftlichen Befunde ignorierend und föderal inkompatibel kritisiert.

„An ihren Plänen wird die Landesregierung und die sie tragenden drei Landtagsfraktionen noch erhebliche Abstriche vornehmen müssen, weil die saarländische Schulstruktur Verfassungsrang hat“, erklärten die VDR-Landesvorsitzende und der VDR-Bundesvorsitzende.
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Reformpläne kommentierten Böhm und Röckelein wie folgt: „Mit der Einrichtung eines fünften Grundschuljahres steht die Landesregierung bundesweit allein da!“ Es bleibe unverständlich, warum Ministerpräsident Müller nach den jüngsten bundesweiten Leistungsvergleichen nicht Abstand von diesem Vorhaben nehme. Die Ergebnisse in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen zeigen, belegt durch wissenschaftliche Untersuchungen, dass durch eine Verlängerung der Grundschulzeit keinerlei Lernfortschritte erzielt werden. Längeres gemeinsames Lernen schade den Leistungsstarken, ohne den Leistungsschwachen zu nutzen.

Unter ähnlichen Vorbehalten sehen Böhm und Röckelein auch die Zusammenlegung der Erweiterten Realschulen (ERS) mit den Gesamtschulen (GS) zu der neu zu gründenden Gemeinschaftsschule. „Wir bekommen etwas, was nicht besser ist als das, was wir bereits haben“, stellt Röckelein fest. Die Eltern werden ihrer Wahlmöglichkeit zwischen ERS und GS beraubt. Mit der Einführung eines 5. Grundschuljahres wird die Orientierungsstufe an der ERS zerrissen. Die Orientierungsstufe umfasst die Klassen 5 und 6 und lässt den Kindern genügend Zeit zur Orientierung, bevor dann ab der Klasse 7 in Haupt- und Realschulbildungsgang differenziert wird. Da das System mittlerweile in allen Klassenstufen durchlässig ist, kommt es dadurch keineswegs – wie immer behauptet wird – zu einer frühzeitigen Festlegung der Berufs- und Lebensplanung. Der Weg zum Abitur in 9 Jahren über die ERS als Alternative zu G 8 hat sich längst etabliert. So zu tun, als ob einzig die „Gemeinschaftsschule“ diese Option eröffne, ist schlicht falsch.

Positiv bewerten Böhm und Röckelein, dass an den landesweit zentralen Abschlussprüfungen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses und des mittleren Bildungsabschluss festgehalten wird. Darüber hinaus begrüßen Röckelein und Böhm die Bereitschaft der Landesregierung, ihr weiteres Vorgehen mit allen am saarländischen Schulwesen beteiligten Gruppen abzustimmen und kündigten eine kritische aber konstruktive Haltung zu Gunsten der betroffenen Schülerinnen und Schüler an.

Pressemitteilung in pdf-Format zum Download: PM-VDR-100709.pdf